Bitteres Ende eines schönen Herbsttages – Vor 100 Jahren brannte Obernbugs Altstadt

Posted by feuerwehr-obernburg.de in Allgemein on 10-09-2013

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Der 29.09.1913 war ein wunderschöner Herbsttag und viele Obernburger arbeiteten auf den Wiesen und Feldern außerhalb der Stadt. Nur wenige waren zuhause, als um die Mittagszeit ein Stoß Reisig in der Schustergasse zwischen den Wohnhäusern von August Helm und Blasius Reiß in Brand geriet. Schnell wurden die in der Stadt verbliebenen Bürger zusammen gerufen, die zunächst mit Wassereimern, dem Feuer begegneten. Da sich das Feuer rasend schnell ausbreitete wurde von den wenigen in der Stadt verbliebenen Feuerwehrleuten der Hydrantenwagen mit Löschschläuchen hinzugeholt. Bis dieser eingesetzt werden konnte hatte sich der Brand schon auf die Nachbaranwesen ausgebreitet und das gesamte Viertel zwischen Untere Wallstraße und Obere Gasse in Rauch gehüllt. Feuerwehrleute und Bürger kämpften gemeinsam gegen die Flammen an und nur wenig konnte aus den brennenden Gebäuden gerettet werden.

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Als die Landwirte und Obstbauern die Feuerglocke im Tal hörten und von den Feldern kamen, spielten sich herzzerreißende Szenen ab, als sie sahen, wie ihr Hab und Gut ein Raub der Flammen wurde. In den zeitgenössischen Berichten ist vom Jammer der Brandopfer und von ihren erschütternden Klagen die Rede. Die Menschen verloren mit dem Haus auch ihren Hausrat und die gesamten Ersparnisse. Eine Frau musste zurückgehalten werden, als sie in die Flammen laufen wollte um ihr Hab und Gut zu retten.

Erst nach 16-stündigen Anstrengungen gelang es den Obernburgern den Brand zu löschen. Am darauffolgenden Tag gab das Altstadtviertel, das seitdem den Namen Schwarzviertel hat, ein Bild der Verwüstung ab. Zwischen der Unteren Wallstraße, Schustergasse und Oberen Gasse waren 25 Anwesen, davon 13 Wohnhäuser, zerstört und die betroffenen Familien mussten bei hilfsbereiten Bürgern unterkommen, deren Haus unversehrt geblieben war.

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Der große Brand wurde möglich, da zu dieser Zeit die Häuser auf engstem Raum standen und die Gebäude aus Fachwerk mit Lehmfüllung gebaut wurden. Das waren bauliche Begebenheiten, die heute jedem Brandschützer die Haare zu Berge stehen lassen würden. Keine Brandwände, keine gemauerten Wände und auch keine breiten Straßen, wie sie heute vorhanden sind, konnten die Brandausbreitung verhindern.

Zu dieser Einschätzung kam auch 1913 der städtische Feuerwehrkommandant Ernst Deckelmann. In seinem Einsatzbericht beschrieb er die Abwesenheit der auf den Feldern arbeitenden Obernburger als Segen und Fluch zugleich. Fehlten gerade zu Beginn der Brandbekämpfung die helfenden Hände, hätte ein solches Feuer zahlreiche Menschleben fordern können, wenn die Bürger des Nachts in ihren Betten überrascht worden wären.

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Die Zeitgenossen bezifferten den entstandenen Sachschaden auf 100.000 Mark, wovon aber nur 43.000 Mark durch die Versicherungen abgedeckt waren. In der Folgezeit wurden Spendenaufrufe gestartet, die Buchdruckereibesitzer Heinrich Bingemer in vielen Zeitungen abdrucken ließ. Zudem wurde auch ein Benefizkonzert „zu Gunsten der Abgebrannten in Obernburg“ veranstaltet. Insgesamt kamen so noch einmal Spenden aus ganz Deutschland in Höhe von 10.000 Mark für die betroffenen Familien der Stadt zusammen.

Keines der Häuser im sogenannten Schwarzviertel konnte wieder so aufgebaut werden wie es vorher war. Die Grundstücke waren zu klein und wurden neu aufgeteilt. Einige erwarben Baugrundstücke an anderer Stelle und andere traten Fläche an die Nachbargrundstücke ab. So entstand ein neues und modernes Stadtviertel, das das damalige Bild der Stadt verschönerte.

Am Sonntag, den 29.09. jährt sich der große Brand zum 100. Mal. Die Schützengesellschaft Wilhelm Tell und der FC-Bayern-Fanclub werden zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr eine historische Löschübung in der Unteren Wallstraße neben den Rosengärten veranstalten. Der Festbetrieb beginnt um 10.00 Uhr mit dem Frühschoppen. Nach dem Mittagessen gegen 14.00Uhr beginnt dann die Schauübung. Alle Bürgerinnen und Bürger sind dazu herzlich eingeladen, und Sie werden auch benötigt, denn wie vor 100 Jahren werden Feuerwehr und Bevölkerung gemeinsam löschen.

Weitere Informationen zum großen Brand in Obernburg finden Sie hier.

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